Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern und Sorgeberechtigte                                                 

in der italienischen Zeitschrift L’Espresso vom 6. Juni 2021 fand ich einen Artikel zum „anno senza“, dem „Jahr ohne“, dem Jahr also, in dem erneut auf vieles verzichtet werden musste. Autorin ist die 18-jährige Schülerin Giorgia Loschiavo aus Bari (Süditalien). Sie fasst die „vielleicht wertvollste Lektion aus diesem Jahr“, wie folgt zusammen: „Schule ist, wann und wo immer wir zusammen sind und zusammen die Zukunft entwerfen“, über diese Zukunft nachdenken und diskutieren und dabei unsere Träume und Hoffnungen nicht vergessen; Schule ist, wenn wir verstehen, dass Verantwortungsbewusstsein darin besteht, Sorge füreinander zu tragen und zu kämpfen, und zwar hartnäckig zu kämpfen, um die Gegenwart zu verändern“. Das ist frei übersetzt, im Italienischen klingt das viel schöner.

Ich habe diese Sätze immer wieder gelesen, denn sie fassen das, was in diesem Schuljahr hinter uns liegt, gut zusammen. Auch wir hatten ein Jahr, in dem wir auf vieles verzichten mussten. Aber es wäre müßig, diese Liste hier auszuführen. Auch eine andere Diskussion will ich nicht führen: Ob die Schulen im Allgemeinen und damit auch wir am Regino-Gymnasium „immer neuen Versuchsanordnungen“ (Süddeutsche Zeitung) gefolgt sind oder schlicht flexibel auf die „dynamische Lage“ (ein Schlüsselwort des Bildungsministeriums) reagiert haben.

Ich stimme den klugen Worten Giorgia Loschiavos in vollem Umfang zu: Schule ist Gemeinschaft. Genau das antworteten ebenfalls 18-jährige Schülerinnen und Schüler zu Beginn der letzten Woche auf meine Frage, was denn das Schönste in diesem Jahr gewesen sei. Eine die Grenzen von Ländern und Generationen überschreitende Grunderfahrung!

Ich meine, unsere Schule hat sich als Gemeinschaft bewährt: 1) als Gemeinschaft der Arbeit: Ob im „Präsenz-, ob im Wechsel-, ob im Fernunterricht“, wir haben das Schuljahr 2020/21 zu einem Abschluss gebracht. Schon der Abiturjahrgang 2021 mit seinem eigens erarbeiteten Format der Abiturfeier ist ein gutes Beispiel dafür. Ich weiß, dass wir im nächsten Schuljahr das eine oder andere Thema wiederholen müssen. Ich weiß auch, dass wir den einen Schüler oder die andere Schülerin ganz individuell unterstützen müssen. Und doch überwiegen bei mir Erleichterung, Dankbarkeit und bei aller Nachdenklichkeit auch Stolz auf das, was wir erreicht haben.

2) als Gemeinschaft im Kampf gegen Corona und nun gegen das Hochwasser und seine Folgen:

Ein detaillierter Rückblick auf die einzelnen Quartale dieses Schuljahres würde den Rahmen dieses Briefes sprengen. Wir haben gekämpft, und zwar „hartnäckig“, wir haben in immer vertrauensvolleren Gesprächen gemeinsam Lösungen entwickelt. Ich denke nur an einen Begriff wie „prophylaktische Selbstisolation“. Der hat uns sehr geholfen. Genauso hartnäckig haben wir uns dem Schlamm entgegengestemmt, der am Donnerstag-Morgen vom Hochwasser zurückgelassen wurde. Die Schäden am Schulgebäude lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ich beginne mit der guten Nachricht. Das Abteigebäude ist unversehrt. Mit einer Schlammschicht überzogen waren sämtliche Fußböden im Erdgeschoß des Container-Traktes. Diese konnten bereits am Donnerstag-Vormittag im Rahmen der Putzaktion gesäubert werden. Der Keller der Turnhalle stand komplett unter Wasser. Vor allem mit Hilfe des THW konnte der Keller am Donnerstag-Nachmittag schnell wieder leergepumpt werden. Der geniale Holzfußboden in der Turnhalle steht ebenso wie die Böden des Untergeschosses des Neubaus im Fokus der Überprüfung.

Ich fasse zusammen: Es hätte durchaus schlimmer kommen können. Da wir aber am Donnerstag, Freitag und Samstag mit vereinten Kräften und vor allem sehr schnell gewirkt haben, sind die

Folgeschäden deutlich reduziert worden. Das gesamte Prümer Hausmeisterteam hat hierbei hervorragend zusammengearbeitet. Vor allem aber ist Herr Bernd Holz zu loben, der unermüdlich und mit hohem Wirkungsgrad unterwegs war. Herr Achim Schneider von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, seit Donnerstag-Morgen im Dauereinsatz tätig, hat sich vor allem durch seinen Überblick und seine Kompetenz in Sachen Haustechnik verdient gemacht. Ganz zu schweigen von der Fachschaft Sport, die am Donnerstag und Freitag stundenlang um ihre Halle, speziell den Boden und die Geräte gekämpft hat. Die Aufzählung ließe sich fortsetzen. Das Bild im TV fasst all‘ dies zusammen. Schule ist Gemeinschaft: Schülerinnen und Schüler der sechsten bis dreizehnten Jahrgangsstufe, Eltern und Lehrer/-innen säuberten gemeinsam die Turnhalle, den N- und C-Trakt sowie den Schulhof.

3) nun leider auch als Gemeinschaft der Trauer:

Die unfassbar traurige Nachricht dürfte inzwischen bekannt sein. Am vergangenen Dienstag ist unser Schüler Leo Valerius mit gerade einmal 18 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls verstorben. Die gesamte Schulgemeinschaft, besonders natürlich Leos Mitschüler/-innen der MSS 12 waren schockiert. Sie trugen „Sorge für einander“, um mit der gleichaltrigen Giorgia aus Bari zu sprechen. Dieses zunächst schweigende, auch tränenreiche Zusammensitzen wirkte als erlebtes Mit- und Füreinander tröstend. Auch wenn die Schule eigentlich hochwasserbedingt geschlossen war, haben wir eine Gedenkveranstaltung für unseren Schüler Leo in der St.-Salvator Basilika abgehalten. Ich habe mich gefreut, dass neben der MSS 12 auch zahlreiche ehemalige Schülerinnen und Schüler und natürlich Freunde von Leo anwesend waren. Ich danke Herrn Leineweber für sein sehr dezentes Orgelspiel und Herrn Pfarrer Kipper für seine Hilfe auch an diesem Tag. Wir beide haben versucht, Worte für unsere Gedanken zu finden.

Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, habt in diesem Jahr nicht nur vieles, sondern viel gelernt; Ihr habt also nicht nur viele verschiedene Fachinhalte gelernt, Ihr habt wichtige Lektionen, „vielleicht die wertvollste Lektion“ gelernt: Solidarität in der Gemeinschaft. Ihr wart meistens geduldig, Ihr wart in der Regel flexibel, in Sachen Digitales manchmal sogar schneller als Eure Eltern und Lehrer/-innen; vor allem aber hat mich beeindruckt, wie klar Ihr argumentiert habt (ich denke an die Gespräche mit Eurer Schülervertretung) und wie einsichtig Ihr die Regeln umgesetzt habt, wenn wir, die Lehrer/-innen, sie Euch in Ruhe erklärt haben. Für all‘ dies danke ich Euch sehr herzlich.

Gleiches gilt für Sie, liebe Eltern. Klar war nicht alles perfekt. Wie auch? Aber im Sinne Ihrer Kinder haben wir einen Dialog geführt, der sinnvolle Lösungen hervorbrachte. Ich weiß aus unzähligen Gesprächen oder Anrufen, was Sie auch in diesem Schuljahr geleistet haben. Und ich wiederhole es gerne: Auch Ihnen gilt mein herzlicher Dank!

Giorgia Loschiavo spricht auch über die Zukunft. Im Blick auf die Länge dieses Briefes erspare ich Euch und Ihnen dies. Ich melde mich, wenn ich zu Beginn der letzten Ferienwoche belastbare Aussagen treffen kann. Dafür bitte ich um Euer/ Ihr Verständnis und wünsche allen erholsame und möglichst unbeschwerte Ferien.

Mit den besten Grüßen

Albrecht Petri

Prüm, den 20.07.2021

Nachruf 

Die Schulgemeinschaft des Regino-Gymnasiums Prüm trauert um

                                       Leo Valerius  
 

Leo besuchte die Jahrgangsstufe 12 unserer Schule. Er war ein hoffnungsvoller Schüler und ein Mensch mit unvergleichbarem Charme und feinem Humor. Seinen Mitschülerinnen und Mitschülern war er ein vertrauter Freund und verlässlicher Wegbegleiter. Sein vollkommen unerwarteter Tod bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust. Im Gedenken und im Gespräch werden Leos Mitschülerinnen und Mitschüler ebenso wie seine Lehrerinnen und Lehrer ihm auf Dauer verbunden bleiben.  
Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt Leos Eltern und seiner ganzen Familie. 

 

Jakob Backes (Schülersprecher) Sabine Rehm (Schulelternbeiratsvorsitzende) Albrecht Petri (Schulleiter)

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