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30.07.2016 :: Fachschaften / Geschichte / Das Großherzogtum Luxemburg unter deutscher Besatzung / 
Das Großherzogtum Luxemburg unter deutscher Besatzung
Der Leistungskurs Geschichte mit Lehrerin Frau Maria Braus in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

 

Fachtagung Geschichte in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert

 

Am Donnerstag, den 10.Mai 2012 besuchte der Leistungskurs Geschichte der Jahrgangsstufe 12 des Regino-Gymnasiums Prüm mit ihrer Lehrerin Maria Braus die Fachtagung „Das Großherzogtum Luxemburg unter deutscher Besatzung“ in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert. Durch die interessanten und detaillierten Vorträge konnten den Schülern und Schülerinnen sehr viele neue Einblicke in die NS-Zeit ermöglicht werden, die ihnen bis dato nicht bekannt waren.

 

„Die Fachtagung in Hinzert war eine gelungene und sehr lehrreiche Veranstaltung. Es ist erstaunlich zu erfahren, wie gewaltvoll die Deutschen den Nationalsozialismus durchführten.“ Miriam Bormes, Schülerin des Regino Gymnasiums Prüm der Jahrgangsstufe 12, fasst zusammen, was wohl alle Schüler und Schülerinnen denken, die an dieser Tagung teilnehmen durften. Niemand wusste, wie sehr auch Luxemburg unter den Geschehnissen des 2.Weltkrieges leiden musste.

Da die Fachtagung zum Thema „Das Schicksal sowjetischer Kriegsgefangener 1941 bis 1945“ im Oktober 2011 auf großes Interesse seitens der Schüler und Schülerinnen stieß, war es uns wieder eine große Freude, an einer weiteren Veranstaltung in Hinzert teilnehmen zu dürfen.

Die Begrüßung übernahm Herr Dr. Dieter Schiffmacher, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, welcher erklärte, dass Anfang Mai stets eine große Erinnerungsphase des 2.Weltkriegs sei. In vielen Ländern gebe es Feiern, die der Kapitulation Deutschlands am 8.Mai 1945 gedenken. Dieser „Tag der Befreiung“ sei auch für Luxemburg ein besonderer Tag, was vielen unbekannt sei.

Herr Albert Hansen, Präsident des Comité directeur pour le Souvenir de la Résistance, erinnerte nochmals an den deutschen Einmarsch vor 72 Jahren in Luxemburg. Die wissenschaftliche Arbeit sei sehr wichtig für Luxemburg, da Einzelschicksale mehr und mehr in den Fokus rücken. Da es nur noch wenige Zeitzeugen gibt, werden Fragen heute verstärkt von Historikern beantwortet.

Nach dieser kurzen Einführung übernahm Herr Dr. Paul Dostert, Direktor des Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance, das Wort und begann mit seinem Vortrag zum Thema „Luxemburg unter deutscher Besatzung 1940 bis 1945“. Zuerst gab Herr Dr. Paul Dostert einen Überblick über die viereinhalb Jahre deutscher Besatzung in Luxemburg. Die deutschen Truppen marschierten vor 72 Jahren ins neutrale und unbewaffnete Luxemburg ein. Nie zuvor wurden die Luxemburger mit der Frage der Unabhängigkeit in dieser Weise konfrontiert. So gab es viele Menschen, die für ihre Freiheit und ihr Land kämpften.

Zentraler Punkt des Vortrags war die Militärverwaltung. Die Minister und die Großherzogin Charlotte flüchteten ins Exil, was auf großes Unverständnis stieß. Zudem wurde nur einen Tag, nachdem die deutschen Truppen den luxemburgischen Staat besetzten, eine Militärverwaltung geschaffen. Gustav Simon aus Koblenz übernahm die Zivilverwaltung in Luxemburg und wurde am 2.August 1940 zum „Chef der Zivilverwaltung“ ernannt. Luxemburg sollte in kürzester Zeit Bestandteil des deutschen Reichs werden, doch sehr bald zeigten sich erste Widerstände der Bevölkerung. Trotzdem war es für Simon nur eine Frage der Zeit, bis das Großherzogtum wieder zum deutschen Reich gehöre, da Luxemburg „nach Blut und Abstammung deutsch sei“. Die „Zerstörung der staatlichen Unabhängigkeit“ war ein Schritt zur Germanisierung und Nazifizierung aller Bereiche. Gustav Simon ignorierte die Ablehnung und führte am 6.August 1940 Deutsch als alleinige Amtssprache ein. Das „Französische“ in Luxemburg sollte zerstört werden; jeder bekam einen deutschen Vor – und Nachnamen, die Baskenmütze durfte nicht länger getragen werden. Luxemburgische Wörter wie „Merci“ oder „Pardon“ waren untersagt (sog. „Entwelschung“ in allen Bereichen). Die Menschen sollten sich zu Deutschland und dem Nationalsozialismus bekennen. Für Simon ging „das Zeitalter der Demokratie“ in Luxemburg zu Ende, alle Parteien und die Staatskammer wurden aufgelöst. Aus Angst bekannten sich viele zu Deutschland und traten der NSDAP bei. Jugendliche sollten in die Hitler Jugend eintreten, was zuerst freiwillig war, später jedoch gezwungen. Wer nicht in der Hitler Jugend war, wurde nicht zum Abitur zugelassen und bekam keinen Ausbildungsplatz. Einige flüchteten in Ausland, andere, besonders die Mädchen, versuchten dem Arbeitspflichtdienst zu entkommen, indem sie heirateten.

Ein Fragebogen, in dem die meisten Luxemburger sich nicht als deutsch bekannten, führte zu härteren Strafen gegen Oppositionelle. Zudem wurde die Wehrpflicht eingeführt; die Jugendlichen bekamen am Tag ihrer Rekrutierung die deutsche Staatsangehörigkeit verpasst. Um dem Wehrdienst zu entkommen, versteckten sich viele bei Verwandten oder flüchteten nach Frankreich, wo sie in der französischen Résistance gegen Deutschland kämpften. Auch die Streiks und Widerstände wurden immer größer. Also wurde mit blutigem Terror zurückgeschlagen. 20 Todesurteile wurden in Hinzert vollstreckt, 120 Personen an die Gestapo überstellt. Es gab zwar nur eine begrenzte Zahl von Gerichtsverfahren gegen flüchtige Personen, doch in allen Verfahren wurde das Todesurteil ausgesprochen. Nach einer gewissen Zeit im Zuchthaus wurden 160 Jugendliche erschossen, weitere 107 fielen im Kampf für andere Nationen gegen Nazi-Deutschland. Trotzdem entstanden in dieser Zeit viele Résistancegruppen, die das Informationsmonopol der deutschen Besatzer verhindern wollten. Sie verteilten Flugblätter und Zeitungen, verhalfen Jugendlichen zur Flucht ins Ausland, versorgten betroffene Familien und übermittelten Informationen nach England. 33 Mitglieder der Résistance wurden ermordet. Zudem kamen 3963 Menschen in Zuchthäuser und mehr als 12000 Menschen kamen in Ghettos oder Konzentrationslager. Juden wurden dem Land verwiesen oder deportiert. Nur sehr wenige Luxemburger waren an Ermordungen von Juden beteiligt oder unterstützten den Nationalsozialismus freiwillig. Insgesamt starben 5700 Menschen, das entspricht 2% der damaligen Gesamtbevölkerung. Luxemburg lehnte eine Annexion vollkommen ab und kämpfte bis zum Schluss für die Unabhängigkeit und Freiheit.

 

Nach einer Kaffeepause folgte der Vortrag von Frau Dr. Beate Welter, Leiterin der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert, über „Luxemburger Häftlinge im SS-Sonderlager/KZ Hinzert“. Insgesamt waren 1588 Luxemburger in Hinzert gefangen, 82 starben. Nach den immer größer werdenden Widerständen in Luxemburg wurden 91 Männer nach Hinzert verschleppt, nach dem Generalsstreik 1942 weitere 140. Franzosen, Belgier, Italiener, Briten und Angehörige vieler weiterer Nationen waren in Hinzert gefangen und konnten von den Luxemburgern erfahren, was die Deutschen sprachen. Hilfeleistungen und Übersetzungen waren kein Problem für die luxemburgischen Gefangenen. Da sie Pakete von ihren Familien erhalten durften, gaben sie sogar teilweise Lebensmittel an ihre Mithäftlinge ab. Nur zu den polnischen Gefangenen war das Verhältnis eher kühl, die Sprache war schwierig und durch viele Fluchtversuche der Polen, wurden alle Häftlinge bestraft. Trotzdem waren die Polen auf Aufmunterungen von den anderen Häftlingen angewiesen. Es gab zudem Außenlager für den Arbeitseinsatz der Gefangenen. Sie mussten die Wasserversorgung oder Rodungsarbeiten im Wald übernehmen, in Steinbrüchen arbeiten usw. Die harte Arbeit führte zu Krankheiten und völliger Antriebslosigkeit. Den einzigen Kontakt zur Außenwelt hatten die Gefangenen auf dem Weg zur Arbeit, entweder zu Fuß oder im Zug. Trotz ihrer Arbeit wurden viele Häftlinge grundlos angeklagt und hatten keinen Anwalt, um sich zu wehren.

 

Nach einer Razzia in Luxemburg kamen weitere 350 Menschen ins SS-Sonderlager, 50 wurden ermordet. Familien wurden auch bestraft oder umgesiedelt. Doch obwohl die Männer schreckliche Dinge erleben mussten, versuchten einige ihre Erfahrungen für die Nachwelt aufrecht zu erhalten. Sie zeichneten Bilder aus dem Lager und verarbeiteten so ihr Schicksal. Auch nach dem 2.Weltkrieg arbeiteten viele mit den Gedenkstätten zusammen. Diese Zeitzeugen haben die Gedenkstätte erst möglich gemacht, besonders Herr Joseph Mournier, der bis zu seinem Tod aktiv in der Gedenkstätte Hinzert mitarbeitete.

Nach der Mittagspause wurde ein Vortrag zum Thema „Die Umsiedlung luxemburgischer Staatsbürger ins Reich (1942-45)“  von Herrn Marc Cloden, Centre de Documentation et de Recherche sur la Résistance, gehalten. Von 1940 bis 1944 versuchten die deutschen Besatzer viele Luxemburger aus ihrer Heimat zu entfernen. Die jüdische Gemeinde in Luxemburg war am Ende der Besatzung praktisch aufgelöst. Auch der Klerus, der als „frankophil“ galt, wurde ausgewiesen.

Zudem wurden mehr als 1100 Familien, also ungefähr 4000 Menschen umgesiedelt. Die Luxemburger galten als „rein volksdeutsche Bevölkerung“, „unzuverlässige Elemente“ sollten durch die Umsiedlung zu „guten Deutschen“ erzogen werden. Die Umsiedlung an sich wurde auf Kreisebene entschieden; die, die den luxemburgischen Staatsgedanken vertraten, galten als „unzuverlässig“. Nur wenn ein Familienmitglied an der Front war, konnte von der Umsiedlung nochmals abgesehen werden. Alle anderen hatten keine Chance und mussten sich den SS-Leuten fügen. Die Umsiedlung hatte auch eine wirtschaftliche Dimension; so sollten die Leute finanziell ruiniert werden. Insgesamt wurden 270 Höfe vakant. Diese sollten an kinderreiche Familien und Umsiedler aus anderen Teilen des Reiches vergeben werden. Die Menschen erfuhren erst am Tag der Umsiedlung von ihrem Schicksal. Die Gestapo überbrachte die Nachricht, dann blieb den Familien nur wenig Zeit, um zu packen, bevor sie deportiert wurden. Der Bestimmungsort wurde nicht genannt. Es wurden Vermögenserklärungen gefordert und jeder Familie wurde eine Nummer zugeteilt. Kurz darauf kamen sie in die Umsiedlungslager. In diesen Lagern gab es sogenannte „Arbeitskolonnen“ zum Putzen, Bauen etc., die sechs Tage die Woche per Bahn oder zu Fuß bis zu 6km zur Arbeit gehen mussten. Nach anstrengenden Arbeiten kamen die Menschen völlig erschöpft in die schlechten Lager zurück. Oft waren es alte Schulen, Hotels oder Klöster, die als Umsiedlungslager dienten. Toiletten gab es nur im Freien, Waschgelegenheiten gab es kaum. Die schlechten hygienischen Verhältnisse führten zu Krankheiten und Bedrohungen durch Kakerlaken oder Ratten. Mehrere Familien teilten sich einen Raum, schliefen auf 2-stöckigen Holzpritschen und besaßen keine Privatsphäre mehr. Kinder, Frauen und Männer mussten sich vor allen entkleiden, was nach einer gewissen Zeit zum Alltag im Lager wurde. Zudem gab es eine gefängnisähnliche Lagerordnung, womit die SS-Leute versuchten, die Luxemburger einzuschüchtern und den Kontakt zur Außenwelt zu vermeiden. Die Lagerleitung schaute in die Pakete der Verwandten aus Luxemburg rein, zensierte oder konfiszierte den Inhalt. Beim Morgenappell wurden die Männer Tag für Tag aufs Neue gedemütigt, indem sie draußen, vor der Naziflagge ihren rechten Arm heben und einen Dauerlauf um den Platz machen mussten. Für „Vergehen“ drohte das nächste Gefängnis, rohe Gewalt oder die Überstellung an die Gestapo. Misshandlungen, Entstellungen und Verschleppungen waren an der Tagesordnung. Kollektivstrafen waren auch keine Seltenheit (frühe Bettruhen, Putzen etc.). Die Lagerwache kontrollierte das Haus und die Leute rund um die Uhr. „Freizeit“ hatten die Familien nur an Feiertagen wie Weihnachten. Sonst konnten sie die Sonntage zum Briefe schreiben, Wandern oder seltene Besuche im Ort nutzen. Aber Fotographie im Lager war erlaubt; lange Gespräche oder Kartenspielen halfen den Menschen sich abzulenken und ihr Schicksal für einen Moment zu vergessen. Durch die Umsiedlungslager wurde der luxemburgische Patriotismus nur noch mehr gestärkt. Einigen gelang sogar die Flucht zurück nach Luxemburg. Im Lager selbst wurden luxemburgische Nationalfeiertage gefeiert. Im Mai 1943 wurde den Luxemburgern die deutsche Staatsangehörigkeit verliehen, doch das Gemeinschaftsgefühl wurde noch größer; ein französischer Schulunterricht wurde im Lager von den Eltern selbst angeboten. Sie waren auch anderen Ausländern gegenüber stets freundlich und hilfsbereit, trotz ihrer aussichtslosen Situation. Das Heimweh wurde oft bei Sterbefällen in der Heimat groß, doch die Gemeinschaft bot Unterstützung. 2% der Umgesiedelten mussten ihr Leben fern von der Heimat lassen, die anderen konnten nach dem 2.Weltkrieg wieder zurück in ihre alten Häuser. Diese Menschen schwiegen und schweigen nicht über ihr Schicksal und ihre Erlebnisse. Bis heute gibt es „Pilgerreisen“ zu den Umsiedlungsstätten in Schlesien, im früheren Sudetenland und im Hunsrück, damit man die Menschen und Opfer nicht vergisst.

Nach einer weiteren kurzen Kaffeepause hielt Herr Dr. Norbert Franz der Universität Luxemburg den letzten Vortrag des Tages: „Die Zwangsrekrutierung für Wehrmacht und Reichsarbeitsdienst in Luxemburg – ein NS-spezifisches Unrecht?“. Zunächst erläuterte Herr Dr. Franz, was genau ein NS-Unrecht sei. Als Schlüsselbegriff sei die „Wiedergutmachung“ zu nennen, denn NS-Opfer haben im engeren Sinn einen Anspruch auf „Wiedergutmachung“. Im weiteren wissenschaftlichen Sinn gibt es vier „Kategorien“ von NS-Opfern, die durch Maßnahmen der NS-Zeit geschädigt wurden: Einmal die Personen, deren Lebenschancen oder Gesundheit durch die Nazis gemindert wurde. Dann Menschen, gegen die ein Unrechtsurteil ausgesprochen wurde, Menschen, die einen Anspruch auf Rückerstattung von Vermögen und Gütern haben und zuletzt die Reparationszahlungen. Doch die Frage, dich sich Herr Dr. Norbert Franz stellt, ist, ob die zwangsrekrutierten luxemburgischen Männer und Frauen auch NS-Opfer seien. Die Reichsarbeitsdienstpflicht, die allgemeine Wehrpflicht und die damit verbundene Vergebung der deutschen Staatsangehörigkeit am Tag der Einberufung ist ein Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung. Dieser völkerrechtliche Verstoß führte 1942 zu einer Streikwelle in Luxemburg. Trotzdem wurden 10000 junge Luxemburger zur Wehrmacht einberufen. Jeder 3. flüchtete ins Ausland und entzog sich so dem Wehrdienst für das Deutsche Reich. Auch 3600 Luxemburgerinnen wurden jeweils für ein halbes Jahr zur Dienstpflicht berufen und mussten danach Kriegshilfe leisten. Die Zwangseingliederung in die „deutsche Volkseinheit“ und die Bezeichnung der Luxemburger als „volksdeutsch“ ist ein Indiz für ein NS-spezifisches Verbrechen.

Die Entschädigung (zur „moralischen und materiellen Wiedergutmachung“) wurde durch die Alliierten an die deutsche Verwaltung übertragen. Im Juni 1956 wurde in Deutschland ein Gesetz zur Entschädigung der NS-Opfer verabschiedet, aber die Hürde zur Anerkennung als NS-Opfer ist sehr hoch. Viele Gruppen wurde sofort ausgeschlossen, beispielsweise Schwule, Prostituierte, Wehrdienstverweigerer, Zwangsarbeiter usw. Auch die Sinti und Roma wurden erst später zu den NS-Opfern zugezählt. Diese sollten im Rahmen von Reparationen auf Grund eines Friedensvertrages für Gesamtdeutschland bedacht werden.

Demnach wurden zwischenstaatliche Globalabkommen mit westeuropäischen Staaten geschlossen. Weitere Gesetze zur Entschädigung folgten, aber keine neuen Regelungen für NS-Opfer.

Im Januar 1985 kamen die Zwangsarbeiter ins Blickfeld. Nach einer großen Debatte beteiligte sich die deutsche Wirtschaft an einem Entschädigungsfonds.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands war die Reparationsfrage wieder offen, wurde jedoch bald wieder durch Globalabkommen mit den osteuropäischen Staaten geschlossen.

 

Die Lage der Nachkriegszeit war so, dass jeder 2.Luxemburger von den Folgen des Krieges betroffen war. Luxemburg hatte nach Holland am schwersten unter dem Krieg gelitten, sie hatten 2% der Bevölkerung verloren. Im Juli 1959 kam es zum Abkommen zwischen Deutschland und Luxemburg (das Globalabkommen), NS-Opfer wurden entschädigt, auch Versorgungsleistungen an Zwangssoldaten waren im Abkommen vorgesehen. Allerdings gelten diese Opfer „nur“ als Kriegsopfer und nicht als NS-Opfer. In Luxemburg selbst wurden die Zwangsrekrutierten schließlich als NS-Opfer anerkannt, doch in Deutschland nicht. Im Juli 2000 wurde die „Stiftung für Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gegründet. Doch weiterhin wird nur ein geringer Teil als NS­-Opfer in Deutschland angesehen. Herr Dr. Norbert Franz sagte im Fazit, dass diese Opfer im politischen Sinne noch nicht als NS-Opfer angesehen werden, im geschichtswissenschaftlichen Sinne jedoch schon. Die Beschreibung der Rekrutierten als „volksdeutsch“ sei ein Zeichen für ein NS-spezifisches Unrecht, da rassistisch – völkisch begründet im Sinne der NS-Ideologie.

Zuletzt wünschte sich Herr Dr. Franz ein letztes öffentliches Wort von Seiten Deutschlands, z.B. des Bundespräsidenten, zu dem Unrecht, das den Luxemburgern im 2.Weltkrieg angetan wurde. Von einer materiellen Entschädigung würde jetzt kaum noch jemand profitieren, doch durch einen Satz und eine Anerkennung der Opfer würde Deutschland Luxemburg einen großen Dienst erweisen.

Die Schlussworte übernahm Herr Uwe Bader, der allen Referenten seinen Dank aussprach und die deutsch-luxemburgische Freundschaft nochmals betonte. Allerdings gäbe es noch Punkte, über die unbedingt zwischen den Staaten gesprochen werden müsste. Zuletzt gab Herr Bader eine kleine Vorschau auf das deutsch-luxemburgische Treffen im Juni, an welchem wir auch teilnehmen werden.

 

„Die Fachtagung in Hinzert war insofern wichtig, da so unserer Generation die Vorgänge während der NS-Zeit sowie deren Folgen in Deutschland und in Luxemburg aufgezeigt werden. Man muss sich vor Augen führen, dass diese Generation die letzte ist, die noch auf einige wenige Zeitzeugen zurückgreifen kann“, sagt Sebastian Lux, Schüler des Regino Gymnasiums Prüm der Jahrgangsstufe 12, abschließend zur Fachtagung in Hinzert. Alle Beiträge waren wirklich interessant und hilfreich, um zu verstehen, was im 2.Weltkrieg alles geschah. Besonders das Schicksal eines Nachbarstaates wie Luxemburg darf nicht vergessen werden. „Auch ein kurzes Gespräch mit Zeitzeugen über deren Widerstand der 40er Jahre war für mich spannend, weil ich es mir nicht vorstellen kann, wie viel Mut und Überzeugung man zu dieser Zeit haben musste, um Widerstand zu leisten“, ergänzt Florian Hoffmann, ein Mitschüler von Miriam Bormes und Sebastian Lux. Alle Beiträge und Informationen werden uns helfen, zu verstehen, was genau im 2.Weltkrieg geschah. Diese Fachtagung war wiederum sehr gelungen und wir, die Schüler und Schülerinnen des Leistungskurs Geschichte sowie unsere Lehrerin Frau Maria Braus des Regino-Gymnasiums Prüm, freuen uns sehr auf den Schüleraustausch im Juni 2012, um noch viel mehr über die Geschichte Luxemburgs zu erfahren. Weiteren Fachtagungen würden wir sehr gerne wieder beiwohnen, da diese stets informativ und anschaulich gestaltet sind.

 

Kristina Zekonja, Schülerin des Regino-Gymnasiums Prüm, Jahrgangstufe 12


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